{"id":658,"date":"2012-05-25T11:33:17","date_gmt":"2012-05-25T11:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rheinzeichner.de\/?page_id=658"},"modified":"2022-02-21T18:35:10","modified_gmt":"2022-02-21T18:35:10","slug":"janusz-korczak","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kgs-janusz-korczak.de\/?page_id=658","title":{"rendered":"Janusz Korczak"},"content":{"rendered":"<h1>Wer war Janusz Korczak?<\/h1>\n<p><strong>Janusz Korczak\u00a0<\/strong>(Henryk Goldszmit)<\/p>\n<p>geb. 22. Juli 1878 in Warschau<br \/>\ngest. August 1942 im KZ Treblinka<\/p>\n<p><strong>22.07.1878:\u00a0<\/strong>Henryk Goldszmit (alias Janusz Korczak) wird als Sohn von Josef und Cecylia Goldszmit in Warschau geboren<\/p>\n<p><strong>ab 1890:\u00a0<\/strong>Um seine Familie finanziell zu unterst\u00fctzen, verdient sich Janusz Korczak ein Zubrot durch Nachhilfeunterricht f\u00fcr reiche Kinder. Er arbeitet gerne mit Kindern und verfasst in dieser Zeit Romane und Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Kinder sowie bedeutende p\u00e4dagogische Schriften. Bald jedoch stellt er fest: \u201e<em>Ich werde nicht Schriftsteller, sondern Arzt. Literatur hat nur Worte, Medizin jedoch ist Handeln.\u201d<\/em><\/p>\n<p><strong>1898 \u2013 1905:\u00a0<\/strong>Studium der Medizin in Warschau<\/p>\n<p><strong>1901 \u2013 1939:\u00a0<\/strong>Korczak verfasst Romane und Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Kinder sowie bedeutende p\u00e4dagogische Schriften<\/p>\n<p><strong>1904 \u2013 1919:\u00a0<\/strong>T\u00e4tigkeiten als Arzt im Warschauer Kinderkrankenhaus<br \/>\n<em>Henryk Goldszmit, der Arzt, blieb sieben Jahre am Kinderkrankenhaus, doch Janusz Korczak, der Schriftsteller und k\u00fcnftige Erzieher, war ruhelos. Der Arzt begleitete ein fieberkrankes Kind durch die schlimmsten Stadien seiner Krankheit, doch der Erzieher wusste, dass dieses Kind nach seiner Entlassung aus dem Spital in eine dunkle, sonnenarme Welt zur\u00fcckkehren w\u00fcrde, in die der Doktor weder eindringen noch sie ver\u00e4ndern konnte. \u201cWann zum Teufel werden wir aufh\u00f6ren, gegen Armut, Ausbeutung, Gesetzlosigkeit und Kriminalit\u00e4t Aspirin zu verschreiben?\u201d beschwerte er sich bei seinen Kollegen. Doch was sollte er verschreiben, um das Leben seiner Patienten zu \u00e4ndern? musste sich eingestehen, dass er bei all seiner Unzufriedenheit mit sozialen Ungerechtigkeiten noch keinen Weg gefunden hatte, benachteiligten Kindern ein besseres Leben anbieten zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><strong>1911 \u2013 1942:\u00a0<\/strong>Direktor des Warschauer Waisenhauses \u201eDom Sierot\u201c<\/p>\n<p><strong>1940:\u00a0<\/strong>\u00dcbersiedlung des Waisenhauses in das Warschauer Ghetto<\/p>\n<p><strong>1942:\u00a0<\/strong>Anfang August werden Korczak, seine Mitarbeiterin Stefania Wilczinska und die Waisenkinder ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort verlieren sich ihre Spuren.<\/p>\n<h3>Korczaks Ziele \u2013 sein \u201ep\u00e4dagogisches\u201c Credo<\/h3>\n<ul>\n<li>Ich bin ein Schmetterling, trunken vor Leben. Ich wei\u00df nicht, wohin ich fliege, aber ich werde dem Leben nicht erlauben, meine farbenpr\u00e4chtigen Fl\u00fcgel zu stutzen.<\/li>\n<li>Das Kind wird nicht erst Mensch, es ist schon einer.<\/li>\n<li>\u00a0Das Kind hat ein Recht, so zu sein, wie es ist. Es hat ein Recht auf Achtung.<\/li>\n<li>Es nach dem Bild zu modeln, das man gerne von ihm hat, ist eine Form von Gewalt. Gewalt und Erziehung aber schlie\u00dfen einander aus.<\/li>\n<li>Das Kind \u00e4hnelt in jeder neuen Phase seiner Bewegungen einem Pianisten, der ein gutes Selbstgef\u00fchl haben und vollkommen ausgeglichen sein muss, um eine schwierige Komposition spielen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Das Kind braucht Bewegung, Luft, Licht \u2013 einverstanden, aber auch noch etwas anderes.<\/li>\n<li>Den Blick ins Gel\u00e4nde, das Gef\u00fchl der Freiheit, ein offenes Fenster (\u2026).<\/li>\n<li>Erkenne dich selbst, bevor du die Kinder zu erkennen trachtest.<\/li>\n<li>Das Kind \u2013 ein geschickter Schauspieler mit hundert Gesichtern:<\/li>\n<li>eins f\u00fcr die Mutter, den Vater, Gro\u00dfmutter oder Gro\u00dfvater, f\u00fcr den strengen oder nachsichtigen Lehrer, f\u00fcr den Koch und das Dienstm\u00e4dchen, f\u00fcr seine Freunde, f\u00fcr Arme und Reiche.<\/li>\n<li>Naiv und schlau, bescheiden und hochm\u00fctig, sanft und rachs\u00fcchtig, artig und eigensinnig verbirgt es sich so erfolgreich, dass es uns an der Nase herumf\u00fchrt.<\/li>\n<li>Hundert Kinder, hundert menschliche Individuen nicht erst Morgen, sondern Jetzt, Hier und Heute!<\/li>\n<li>Der neue Mensch muss die ihn umgebende Welt verstehen, er muss die Ver\u00e4nderungen, die eintreten, sehen, sich ihnen anpassen und Motor von Ver\u00e4nderungen sein.<\/li>\n<li>Man darf das Ged\u00e4chtnis der Kinder nicht mit unn\u00f6tigem Ballast von Informationen f\u00fcllen, sonder es darauf vorbereiten, die gegenw\u00e4rtigen Daten in die Daten der Zukunft umzuwandeln.<\/li>\n<li>Man muss die Rechte \u00e4ndern, die nur den Erwachsenen die Macht geben und die Welt der Kinder \u00fcbersehen. Nur eine andere Erziehung der Kinder und die Vergabe von gleichen Rechten wird die Welt ver\u00e4ndern.<\/li>\n<li>Die Erziehung zu voller Toleranz wird erst zum Frieden in der Welt f\u00fchren. Wenn wir diese Grunds\u00e4tze den Kinder fr\u00fchzeitig einpr\u00e4gen, werden die Enkel keine Kriege mehr f\u00fchren.<\/li>\n<li>Ein guter Vater und eine gute Mutter sind die Grundlage nat\u00fcrlicher Liebe und Achtung.<\/li>\n<li>Um der Zukunft willen wird gering geachtet, was es (das Kind) heute erfreut, traurig macht, in Erstauen versetzt, \u00e4rgert und interessiert. F\u00fcr dieses\u00a0<em>Morgen<\/em>, das es weder versteht, noch zu verstehen braucht, betr\u00fcgt man es um viele Lebensjahre.<\/li>\n<li>Solange wir nicht allen Menschen Brot und ein Dach \u00fcber dem Kopf geben, dazu die M\u00f6glichkeit, sich geistig zu vervollkommnen, solange d\u00fcrfen wir uns nicht der T\u00e4uschung hingeben, wir verdienten den Namen\u00a0<em>\u201emenschliche Gesellschaft\u201c<\/em>.<\/li>\n<li>Man sagt: Wir haben eine Krise der Moral. Andere nennen dies Inflation und Entwertung des Menschen. Vielleicht ist es das nicht, sondern nur eine vor\u00fcbergehende, drohende Brise. Eine drohende, denn das Fundament (\u2026) jeder Erziehung ist der Glaube an den Wert und die W\u00fcrde des Menschen und er Menschheit.<\/li>\n<li>Es l\u00fcgt derjenige, der sagt, dass er sich f\u00fcr Etwas oder f\u00fcr Jemanden opfert. Der eine liebt Karten, der andere Frauen. Der eine l\u00e4sst kein Pferderennen aus, und ich liebe Kinder. Ich opfere mich gar nicht, ich mach das nicht f\u00fcr sie, sondern f\u00fcr mich. Das ist f\u00fcr mich notwendig. Sie sollten den Worten \u00fcber Aufopferung keinen Glauben schenken. Sie sind verlogen und heuchlerisch.<\/li>\n<li>Als Arzt stelle ich Symptome fest: Ich sehe Ausschlag auf der Haut, h\u00f6re Hustenger\u00e4usche (\u2026).<\/li>\n<li>Als Erzieher habe ich gleichfalls Symptome vor mir: l\u00e4cheln, Err\u00f6ten, Weinen, G\u00e4hnen, Schreien, Seufzen.<\/li>\n<li>Ohne eine heitere und vollwertige Kindheit verk\u00fcmmert das ganze, sp\u00e4tere Leben.<\/li>\n<li>Wenn ich mein Leben an mir vor\u00fcberziehen lasse, so hat mir das siebente Jahr das Gef\u00fchl gegeben, jemand zu sein: Ich bin. Ich habe mein Gewicht. Ich bedeute etwas.<\/li>\n<li>Ich werde wahrgenommen. Ich kann. Ich werde.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Zitate \u00fcber Janusz Korczak<\/h3>\n<ul>\n<li><em>Die wahre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Zukunft gegen\u00fcber besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben.\u00a0<\/em>(Albert Camus)<\/li>\n<li><em>Immer mehr kommt unter uns daneben auf. Man achte gerade auf die kleinen Dinge.\u00a0<\/em>(Ernst Bloch)<\/li>\n<li><em>Humanit\u00e4t trumpft nicht.\u00a0<\/em>(Theodor W. Adorno)<\/li>\n<li>\u00a0<em>Korczaks p\u00e4dagogischer Eros, seine kuriosen Einf\u00e4lle, Tr\u00e4ume, Schw\u00e4rmereien, die bisweilen bezaubernder und kindlicher waren als die seiner Kinder, nahmen seinem p\u00e4dagogischen System jede Starre, jede Gefahr der Schematisierung. Es war der Sieg der Fantasie in der Erziehung. (\u2026)\u00a0<\/em>(Erika Krumm)<\/li>\n<li><em>(\u2026) Es ist mir besonders angenehm zu erfahren, dass auch der Ansto\u00df, den der P\u00e4dagoge Janusz Korczak gegeben hat, so fruchtbar aufgenommen worden ist. (\u2026)\u00a0<\/em>(Stefan Kardinal Wyszynski)<\/li>\n<li><em>Ich denke an Dr. Henryk Goldszmit \u2013 Janusz Korczak, einen der stillen Helden unseres Jahrhunderts.\u00a0<\/em>(Wladislaw Bartoszewski)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer war Janusz Korczak? Janusz Korczak\u00a0(Henryk Goldszmit) geb. 22. Juli 1878 in Warschau gest. 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