Janusz Korczak

Wer war Janusz Korczak?

Janusz Korczak (Henryk Goldszmit)

 

geb. 22. Juli 1878 in Warschau
gest. August 1942 im KZ Treblinka

22.07.1878: Henryk Goldszmit (alias Janusz Korczak) wird als Sohn von Josef und Cecylia Goldszmit in Warschau geboren

ab 1890: Um seine Familie finanziell zu unterstützen, verdient sich Janusz Korczak ein Zubrot durch Nachhilfeunterricht für reiche Kinder. Er arbeitet gerne mit Kindern und verfasst in dieser Zeit Romane und Erzählungen für Kinder sowie bedeutende pädagogische Schriften. Bald jedoch stellt er fest: „Ich werde nicht Schriftsteller, sondern Arzt. Literatur hat nur Worte, Medizin jedoch ist Handeln.”

1898 – 1905: Studium der Medizin in Warschau

1901 – 1939: Korczak verfasst Romane und Erzählungen für Kinder sowie bedeutende pädagogische Schriften

1904 – 1919: Tätigkeiten als Arzt im Warschauer Kinderkrankenhaus
Henryk Goldszmit, der Arzt, blieb sieben Jahre am Kinderkrankenhaus, doch Janusz Korczak, der Schriftsteller und künftige Erzieher, war ruhelos. Der Arzt begleitete ein fieberkrankes Kind durch die schlimmsten Stadien seiner Krankheit, doch der Erzieher wusste, dass dieses Kind nach seiner Entlassung aus dem Spital in eine dunkle, sonnenarme Welt zurückkehren würde, in die der Doktor weder eindringen noch sie verändern konnte. “Wann zum Teufel werden wir aufhören, gegen Armut, Ausbeutung, Gesetzlosigkeit und Kriminalität Aspirin zu verschreiben?” beschwerte er sich bei seinen Kollegen. Doch was sollte er verschreiben, um das Leben seiner Patienten zu ändern? musste sich eingestehen, dass er bei all seiner Unzufriedenheit mit sozialen Ungerechtigkeiten noch keinen Weg gefunden hatte, benachteiligten Kindern ein besseres Leben anbieten zu können.

1911 – 1942: Direktor des Warschauer Waisenhauses „Dom Sierot“

1940: Übersiedlung des Waisenhauses in das Warschauer Ghetto

1942: Anfang August werden Korczak, seine Mitarbeiterin Stefania Wilczinska und die Waisenkinder ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort verlieren sich ihre Spuren.

Korczaks Ziele – sein „pädagogisches“ Credo

  • Ich bin ein Schmetterling, trunken vor Leben. Ich weiß nicht, wohin ich fliege, aber ich werde dem Leben nicht erlauben, meine farbenprächtigen Flügel zu stutzen.
  • Das Kind wird nicht erst Mensch, es ist schon einer.
  •  Das Kind hat ein Recht, so zu sein, wie es ist. Es hat ein Recht auf Achtung.
  • Es nach dem Bild zu modeln, das man gerne von ihm hat, ist eine Form von Gewalt. Gewalt und Erziehung aber schließen einander aus.
  • Das Kind ähnelt in jeder neuen Phase seiner Bewegungen einem Pianisten, der ein gutes Selbstgefühl haben und vollkommen ausgeglichen sein muss, um eine schwierige Komposition spielen zu können.
  • Das Kind braucht Bewegung, Luft, Licht – einverstanden, aber auch noch etwas anderes.
  • Den Blick ins Gelände, das Gefühl der Freiheit, ein offenes Fenster (…).
  • Erkenne dich selbst, bevor du die Kinder zu erkennen trachtest.
  • Das Kind – ein geschickter Schauspieler mit hundert Gesichtern:
  • eins für die Mutter, den Vater, Großmutter oder Großvater, für den strengen oder nachsichtigen Lehrer, für den Koch und das Dienstmädchen, für seine Freunde, für Arme und Reiche.
  • Naiv und schlau, bescheiden und hochmütig, sanft und rachsüchtig, artig und eigensinnig verbirgt es sich so erfolgreich, dass es uns an der Nase herumführt.
  • Hundert Kinder, hundert menschliche Individuen nicht erst Morgen, sondern Jetzt, Hier und Heute!
  • Der neue Mensch muss die ihn umgebende Welt verstehen, er muss die Veränderungen, die eintreten, sehen, sich ihnen anpassen und Motor von Veränderungen sein.
  • Man darf das Gedächtnis der Kinder nicht mit unnötigem Ballast von Informationen füllen, sonder es darauf vorbereiten, die gegenwärtigen Daten in die Daten der Zukunft umzuwandeln.
  • Man muss die Rechte ändern, die nur den Erwachsenen die Macht geben und die Welt der Kinder übersehen. Nur eine andere Erziehung der Kinder und die Vergabe von gleichen Rechten wird die Welt verändern.
  • Die Erziehung zu voller Toleranz wird erst zum Frieden in der Welt führen. Wenn wir diese Grundsätze den Kinder frühzeitig einprägen, werden die Enkel keine Kriege mehr führen.
  • Ein guter Vater und eine gute Mutter sind die Grundlage natürlicher Liebe und Achtung.
  • Um der Zukunft willen wird gering geachtet, was es (das Kind) heute erfreut, traurig macht, in Erstauen versetzt, ärgert und interessiert. Für dieses Morgen, das es weder versteht, noch zu verstehen braucht, betrügt man es um viele Lebensjahre.
  • Solange wir nicht allen Menschen Brot und ein Dach über dem Kopf geben, dazu die Möglichkeit, sich geistig zu vervollkommnen, solange dürfen wir uns nicht der Täuschung hingeben, wir verdienten den Namen „menschliche Gesellschaft“.
  • Man sagt: Wir haben eine Krise der Moral. Andere nennen dies Inflation und Entwertung des Menschen. Vielleicht ist es das nicht, sondern nur eine vorübergehende, drohende Brise. Eine drohende, denn das Fundament (…) jeder Erziehung ist der Glaube an den Wert und die Würde des Menschen und er Menschheit.
  • Es lügt derjenige, der sagt, dass er sich für Etwas oder für Jemanden opfert. Der eine liebt Karten, der andere Frauen. Der eine lässt kein Pferderennen aus, und ich liebe Kinder. Ich opfere mich gar nicht, ich mach das nicht für sie, sondern für mich. Das ist für mich notwendig. Sie sollten den Worten über Aufopferung keinen Glauben schenken. Sie sind verlogen und heuchlerisch.
  • Als Arzt stelle ich Symptome fest: Ich sehe Ausschlag auf der Haut, höre Hustengeräusche (…).
  • Als Erzieher habe ich gleichfalls Symptome vor mir: lächeln, Erröten, Weinen, Gähnen, Schreien, Seufzen.
  • Ohne eine heitere und vollwertige Kindheit verkümmert das ganze, spätere Leben.
  • Wenn ich mein Leben an mir vorüberziehen lasse, so hat mir das siebente Jahr das Gefühl gegeben, jemand zu sein: Ich bin. Ich habe mein Gewicht. Ich bedeute etwas.
  • Ich werde wahrgenommen. Ich kann. Ich werde.

Zitate über Janusz Korczak

  • Die wahre Großzügigkeit der Zukunft gegenüber besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben. (Albert Camus)
  • Immer mehr kommt unter uns daneben auf. Man achte gerade auf die kleinen Dinge. (Ernst Bloch)
  • Humanität trumpft nicht. (Theodor W. Adorno)
  •  Korczaks pädagogischer Eros, seine kuriosen Einfälle, Träume, Schwärmereien, die bisweilen bezaubernder und kindlicher waren als die seiner Kinder, nahmen seinem pädagogischen System jede Starre, jede Gefahr der Schematisierung. Es war der Sieg der Fantasie in der Erziehung. (…) (Erika Krumm)
  • (…) Es ist mir besonders angenehm zu erfahren, dass auch der Anstoß, den der Pädagoge Janusz Korczak gegeben hat, so fruchtbar aufgenommen worden ist. (…) (Stefan Kardinal Wyszynski)
  • Ich denke an Dr. Henryk Goldszmit – Janusz Korczak, einen der stillen Helden unseres Jahrhunderts. (Wladislaw Bartoszewski)